Autor Die Brücke tot

Der Autor von „Die Brücke“ ist tot

MGDorfBrett dkWir trauern um unseren langjährigen Freund und Buchautor Manfed Gregor Dorfmeister aus Bad Tölz. Der ehemalige Chefredakteur des „Tölzer Kurier“, Jahrgang 1929,  schuf Literaturwerke wie „Die Brücke“ „Das Urteil“ und „Die Straße“ (leider nicht verfilmtes Portrait einer Nachkriegsgeneration). Mit innerer Trauer mußte er all die Jahre aus dem Fenster seines Arbeitszimmers auf die Stelle an der Tölzer Brücke schauen, die zum Grab der beiden letzten seiner Kameraden im Endkampf beim Einmarsch US-amerikanscher Soldaten wurde. Er litt all die Jahre darunter, daß es ihm nicht gelungen war, sie davon zu überzeugen, mit ihm nach hause zu gehen.

In einem 2004 erstellten Video-Interview mit Werner Schramm (heute Aischtaler Filmtheater Höchstadt) machte er deutlich: „Krieg ist immer ein Unglück für alle Beteiligten und löst niemals Probleme“. Im Gegenteil: Er schafft neue und verschärft die bestehenden, so das Fazit von Manfred Gregor (Dorfmeister). Krieg lebt letztlich von künstlich erzeugten Feindbildern und vom Mißbrauch der Jugend für eine angeblich gerechte Sache. Damals wie heute – zum Beispiel in Afghanistan oder im Irak - können einem die unzähligen geopferten, meist jungen Leben nur unendlich leid tun. Die Verführung der Jugend zum Krieg, oft gleichbedeutend mit dem Wegwerfen des eigenen Lebens, beginnt schleichend. Mit seinem Roman „Die Brücke“ unter dem Namen Manfred Gregor sowie seiner Mitarbeit am Drehbuch für den gleichnamigen, von Bernhard Wicki 1959 meisterhaft gestalteten Film, wurde ein historisches Dokument geschaffen, das aktueller nicht sein kann. Was das ideologisch und militärisch bestimmte Training im „Jungvolk“ und in der „Hitlerjugend“an geistigem Mißbrauch für eine ganze junge Generation bedeutete, wird heutzutage – nicht nur mit ideologischem, sondern auch wirtschaftlichem Hintergrund - wirkungsvoll durch bestimmte Computerspiele, in denen es um das „Abschießen“ imaginärer Feinde geht, erfüllt, dessen war sich Gregor sicher.
Manfred Gregor schrieb die letzte Fassung seines Buches damals in nur 14 Nächten neben seinem Beruf als Lokalredakteur. Der tatsächliche Handlungsablauf, mehrere Tage mit Gefechten an zwei Isarbrücken, die Flucht durch Wälder und über Felder, unter fast dauerndem Beschuß durch amerikanische Jagdflugzeuge und dem sinnlosen Sterben seiner Kameraden, aber auch amerikanischer Soldaten, wurde in Form eines Romans auf die Geschehnisse um die Verteidigung einer Brücke verdichtet.

Am Ende des tatsächlichen Geschehens waren noch drei Buben am Leben, die – als sie auf ihrer Flucht die Tölzer Isarbrücke erreichten - von Feldgendarmen aufgehalten und in einen Kellerschacht nahe der Brückenauffahrt eingewiesen wurden, von wo aus sie die Brücke gegen die anrückenden Amerikaner verteidigen sollten. Als die Feldgendarmen verschwunden  waren, sah auch Gregor die Chance gekommen, das Kriegsabenteuer zu beenden. „Der Krieg ist verloren, ich gehe nach Hause, kommt mit!“, drängte er die beiden anderen. Doch die wollten „nicht feige sein“. Sie blieben an der Brücke und Manfred Gregor fand sie am nächsten Morgen tot in ihren MG-Nestern. Eine vorbeikommende ältere Frau spuckte auf die Toten, was ihn sehr erschütterte. 
Seine damaligen Erlebnisse und seine Wendung hin zum Pazifismus versuchte er vielfach  in Schulklassen zu vermitteln. Nach Fertigstellung der Video-Dokumentation von Werner Schramm trug er anläßlich der Uraufführung in den Lamm-Lichtspielen Erlangen seine Sichtweise vor und signierte den mittlerweile mit einem neuen Schlußwort wieder aufgelegten Roman „Die Brücke“.

Sein zweiter Roman „Das Urteil“, 1961 in Forchheim und Bamberg unter de Titel „Stadt ohne Mitleid“ verfilmt, basierte auf einer Meldung, die er als Redakteur über den Selbstmord eines jungen Mädchens erhielt. Vier amerikanische Soldaten vergewaltigten eine junge Frau. Vor einem Militärgericht versucht der Verteidiger der Männer die Todesstrafe dadurch abzuwenden, daß er den Ruf des Mädchens unter sensationslüsterner Mithilfe der Stadtbevökerung erschüttert. Das Kreuzverhör wird sowohl für das Mädchen wie den Vater zur Tortur. Am Ende bricht das Mädchen zusammen und begeht Selbstmord. Der Verteidiger der Soldaten verläßt erschüttert und angewidert die Stadt. Die Schauspieler Kirk Douglas, Barbara Rütting und Christine Kaufmann setzten die Handlung meisterhaft in Szene.

© Kulturkino Koslinger Str. Höchstadt, 04.03.2018

Interview mit MG Dorfmeister 2004 Langfassung