Karl May Hochaktuell

Und Frieden auf Erden!

Karl Mays Beitrag zur Völkerverständigung

In Washington wurde 2004 ein Museum über Geschichte und Leben der Indianer eröffnet. Kritiker beklagen, daß Mord und Verdrängung indianischer Stämme und Kulturen durch weiße Siedler und die US-Armee im 18. und 19. Jahrhundert im Museum nicht ausreichend Erwähnung finden. Auch wenn W. Richard West, der Direktor des neuen Museums, Cheyenne-Indianer zu seinen Vorfahren zählt, wird den Museums-Verantwortlichen vorgeworfen, den Genozid im eigenen Land zu verstecken, während ein paar Häuser weiter dem Holocaust in Europa gedacht werde.(1) Allerdings kam mit der Einrichtung des Museums in der indianischen Bevölkerung auch „die Hoffnung auf, daß sich auch in der breiten Bevölkerung Amerikas die Erkenntnis durchsetzt, daß nicht die aus England ausgewanderten Pilgerväter der Mayflower die ersten Amerikaner waren.“

Es kann an dieser Stelle nicht auf das gesamte Ausmaß des Verbrechens von Landraub und millionenfachem Völkermord an der indianischen Urbevölkerung eingegangen werden, der in zahllosen geschichtsverfälschenden „Western“ gerechtfertigt undd buchstäblich „zelebriert“ wurde. Dieser Völkermord zeigte die gleichen Abläufe und völkerrechtswidrigen Rechtfertigungen wie die der Kriege um Rohstoffe und Handelswege heute. Lesen wir exemplarisch eine Stellungnahme aus der Northwest Ordinance, die 1787 vom Kongreß der USA erlassen wurde und setzen Sie auch in den weiteren regierungsamtlichen Zitaten probehalber einfach Iraker oder Afghanen statt Indianer ein:

„Den Indianern gegenüber soll immer größte Redlichkeit geübt werden; ihr Land und Besitz soll ihnen nie ohne ihre Zustimmung genommen werden; und sie sollen nie Einbußen an ihrem Besitz, ihren Rechten und ihrer Freiheit erfahren, es sei denn durch einen gerechten und gesetzmäßigen Krieg, der vom Kongreß autorisiert ist; ...“(2)

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Bernhard Schmid, Karl May Verlag Bamberg

1887 verabschiedete der Kongreß den Allotment Act, um die Struktur der Stämme und Häuptlinge zu vernichten. Mit diesem Verlust der Stammeshoheit sollte zugleich die Kultur der Indianer ausgelöscht werden. Die zwangsweise Einfügung von Kindern in Indianer-Internate diente dem hochmütigen Zweck: „Töte den Indianer in ihm und rette den Menschen.“ In den Internaten wurde die Kleidung der Kinder durch Uniformen und viktorianische Gewänder ersetzt und ihre langen Haare wurden ihnen abgeschnitten; zudem wurde ihnen befohlen, ihre Stammessprache nicht mehr zu sprechen. Eltern, die den Anweisungen der Regierungsbeamten nicht gehorchten und ihre Kinder nicht herausgeben wollten, wurden Rationen und Vorräte vorenthalten. Der Staatsbeamte Thomas Jefferson Morgan, Indianerbeautragter der Regierung von Präsident Benjamin Harrison brachte es 1889 unverblümt zum Ausdruck: „Die Indianer müssen sich in ‚die Lebensweise der Weißen’ einfügen, friedlich, wenn sie es wollen, gewaltsam, wenn es sein muß. Sie müssen ... ihre Lebensweise unserer Zvilisation anpassen. ... Sie können ihr nicht entkommen und sie müssen sie entweder übernehmen oder von ihr zerstört werden. ... Die Stammesbeziehungen müssen aufgelöst, der Sozialismus vernichtet und durch Familie und die Autonomie des Individuums ersetzt werden.“(3) Der Rest der Geschichte ist bekannt. Ungezählte Massaker durch amerikanische Soldaten an Wehrlosen oder an sich gegen ihre Zwangsumsiedlung in Reservate verzweifelt wehrende Stämme dezimierten die indianische Bevölkerung, sähten Haß und Verzweiflung.

In Deutschland trat der Romanautor Karl May dem Rassenhochmut, der grenzenlosen Profitgier und Zerstörung der Lebensgrundlagen ganzer Völker entgegen. Seine Gedanken gegen Krieg und Rassismus sind nach wie vor hochaktuell. Karl May war in der Jugend vieler Zeitgenossen ein vielgelesener Schriftsteller, seine Werke wurden in mehr als 40 Sprachen übersetzt und die Karl-May–Festpiele sind nach wie vor Publikumsmagneten. Weniger bekannt dürfte sein, daß sich May in all seinen Schriften für den Völkerfrieden eingesetzt hat und eigentlich sollte wieder vermehrt an die Schriften des Pazifisten und bekennenden Christen Karl May erinnert werden (4):

„Nenne man nicht den Indianer einen Wilden. Er ist dasselbe Ebenbild Gottes, wie der Weiße, der sich doch unendlich höher dünkt.“ (Waldröschen, Dresden 1882-1884, S. 1105.)

„Der Christ, der wahre Christ, muß unbedingt die Politik verdammen, welche eine ganze Nation dadurch zum Untergang zu bringen trachtet, daß sie die einzelnen Stämme gegeneinander aufhetzt und unter Waffen bringt.“ (Ebenda, S. 1570.)

„Alle Menschen, die weißen und die schwarzen, sind Gottes Kinder.“ (Die Sklavenkarawane, zitiert nach der Buchausgabe Stuttgart 1893, S. 206.)

„Unsre Religion gebietet uns, zu lieben anstatt zu hassen und selbst unseren Feinden Gutes zu erweisen.“ (Ebenda, S. 340.)

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Ausstellung Kreissparkasse Höchstadt

Allerdings war es in der wilhelminischen Zeit des Deutschen Reiches nicht ganz ungefährlich, ein Kriegsgegner zu sein. Karl May hatte dazu das Rückrat und wandte sich offen gegen den Militarismus. In der Öffentlichkeit wurde hingegen Tapferkeit als die Tugend schlechthin verherrlicht: „Der schönste Tod ist der Soldatentod!“ galt als weitverbreitete Auffassung und bedingungsloses Eintreten für das Vaterland war verpflichtend. Wer den grausamen Tod auf dem Schlachtfeld erlitt, galt als Held, seine Verweigerung als feige und als Verrat. Wenn wir bedenken, daß Frankreich von Deutschland bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs als erbitterter Erbfeind betrachtet wurde, war die Überwindung der Heiratsvorschriften zumindst im Roman revolutionär: Deutscher heiratet Französin, Franzose heiratet Deutsche! Mays grundsätzlicher Standpunkt bestand darin: „Das Völkerrecht ist nicht dazu da, den Menschen die Erlaubniß zu geben, in jedem anderen Lande Thaten zu begehen, welche in ihrer Heimath bestraft werden." (Deutsche Herzen, deutsche Helden, Dresden 1885-1888, S. 1913)

Karl May war ein Weggenosse Bertha von Suttners (5) (1843 - 1914), der Begründerin der Friedensforschung bzw. –bewegung. Er hatte mit ihr einen regen brieflichen Gedankenaustausch. Suttners Publikationen trugen dazu bei, daß es zur ersten Haager Friedenskonferenz kam und ebenfalls erstmalig der Versuch unternommen wurde, Weltkonflikte auf übernationaler Ebene zu regeln. In ihrer Gedenkrede zum Tode Karl Mays 1912 hob Bertha von Suttner hervor, daß auch May zu den Pionieren der Weltfriedensbewegung gehörte. Er selbst geißelte immer wieder die Verklärung des Heldentodes und des vorgeblich gerechten Krieges:

„Wehe und tausendmal wehe dem Volke, welches das Blut und das Leben von Hunderttausenden vergießt, um anderthalb Schock Ritter des eisernen Kreuzes dekorieren zu können! Wir brauchen Männer des Geistes, Männer des Wissens und der Kunst. Die wachsen aber nicht bei Wagram (6) oder Waterloo!“ (Karl May an den Maler und Freund Sascha Schneider 1906).(7)

Die Landnahme und der millionenfache Völkermord an der indianischen Bevölkerung in den USA war für Karl May mehr als schrecklich, obwohl beides bis heute im „Gründungsmythos“ der USA tabuisiert wird. Karl May sah darin ein grundsätzliches Übel:

„Geht mir mit einer Civilisation, die sich nur vom Länderraub ernährt und nur im Blute watet! Wir wollen da gar nicht etwa nur von der roten Rasse reden, o nein. Schaut in alle Erdteile, mögen sie heißen, wie sie wollen! Wird da nicht überall und allerwärts grad von den Civilisiertesten der Civilisierten ein fortgesetzter Raub, ein gewaltthätiger Länderdiebstahl ausgeführt, durch welchen Reiche gestürzt, Nationen vernichtet und Millionen und Abermillionen von Menschen um ihre angestammten Rechte betrogen werden?“ (Old Surehand III, Freiburg 1896, S. 127).

Die Stimme gegen den Krieg, Vertreibung und Landraub als „Normalität“ erhoben zu haben, macht Karl May bis heute zu einem couragierten Vorbild:

„Wie man den Krieg führt, das weiß jedermann; wie man den Frieden führt, das weiß kein Mensch. Ihr habt stehende Heere für den Krieg, die jährlich viele Milliarden kosten. Wo habt ihr eure stehenden Heere für den Frieden, die keinen einzigen Para kosten, sondern Millionen einbringen würden?“ (Ardistan und Dschinnistan I, Freiburg 1909, S. 17).

Der Karl-May-Verlag in Bamberg bietet auch umfangreiches Dokumentations- und Ausstellungsmaterial an, wobei insbesondere das hervorragend bebilderte Nachschlagewerk von Lothar und Bernhard Schmid „Karl May und seine Zeit“ zu nennen ist. Von den vielen Verfilmungen sind insbesondere „Der Schatz im Silbersee“ und „Die Sklavenkarawane“ zu nennen, die sich nach Verlagsauskunft eng an die Romanvorlagen gehalten haben. Die Romane „Im Land des Mahdi“ und „Die Sklavenkarawane“ sind auch heute noch unter dem Aspekt des Einsatzes von Kindersoldaten bedeutsam.

(1) Das Kriegsbeil begraben 30.09.2004 / Kulturzeit 3sat

(2) Alvin M. Josephy, 500 Nations, München 1996, S. 274

(3) a.a.O., S. 431

(4) Zitate sind dieser Hompage entnommen: http://www.karl-may-stiftung.de/may.html

(5) S. ihr Buch: „Die Waffen nieder!“

(6) In der Schlacht bei Wagram 5. und 6. Juli 1809 besiegten Napoleons französische Truppen Erzherzog Karl von Österreichs österreichische Armee in der Nähe von Wien. Die Schlacht bei Waterloo vom 18. Juni 1815 war die letzte Schlacht Napoleon Bonapartes. Sie fand ca. 15 km südlich der belgischen Hauptstadt Brüssel in der Nähe der Stadt Waterloo statt. Die Verwendung des Begriffs Waterloo gilt als Synonym für eine totale Niederlage.

(7) Vgl. hierzu Karl Mays bedeutendes Werk: „Und Frieden auf Erden!“