Der tägliche Wahnsinn

Der tägliche (Smartphone-)Wahnsinn?

Es gibt Mitbürger, die sich ihr Leben ohne Handy nicht mehr vorstellen können. Manche befürchten gar, ihr Handy liebe sie nicht mehr. Nutzungszeiten von drei Stunden und mehr sind keine Seltenheit. Manche schauen bis zu sechs Mal pro Stunden aufs Handy, um zu sehen, ob eine Email oder eine andere Nachricht gekommen ist. Dabei kann ein übermäßiger Konsum zur Vernachlässigung von wichtigen täglichen Aufgaben oder des direkten sozialen Umfelds führen. Bei Nichtnutzung kann es sogar zu regelrechten Entzugserscheinungen kommen. So schildert ein Vater, daß er Schuldgefühle gegenüber seinem dreijährigen Sohn hat, weil er ständig auf sein Handy guckt, anstatt mal in Ruhe mit ihm zu spielen.(1)  Junge Leute kommen morgens unausgeschlafen zur Schule, weil sie nachts der beleuchtete Bildschirm ihres Handys nicht tief schlafen läßt.(2)  Letztlich ist es immer ein Kampf um Aufmerksamkeit.
Besser wäre es, man kaufe wieder einen Wecker oder eine Armbanduhr. Das bedeutet ein weniger an Ablenkung. Die Smartphone-Sucht kann das Leben zerstören, es gibt über 500.000 Internetsüchtige in Deutschland. Die Abhängigkeit vom Smartphone ist ähnlich wie die von Nikotin oder Alkohol. Die Erziehung zur Handy-Enthaltsamkeit ist jedoch aufwendig.
In unserem Film ist Richard so ein Abhängiger, seine Freunde  versuchen, ihn von seiner Sucht wegzubringen, ihn in die Realität zu holen. Unterstützt wird er allerdings von Leo, der mit Tablets, sogenannten Touchys und Emailadressen, handelt. Darüber vernachlässigt dieser seine Frau und versucht, alle Freunde in die Internetwelt zu ziehen. Lernen aus dem Netz – spät erkennt er, daß vor allem für junge Menschen erst einmal etwas strukturiert erfaßt sein muß, um es wirklich als gelernt zur Verfügung zu haben und daraus dann  auswählen zu können.
Das zeigt die Musikprobe einer Kinder- und Jugendkapelle. Verbindliches Üben, Pünktlichkeit, Notenlesen und gemeinsames, abgestimmtes Zuhören und sich eingeben braucht auch einen Übungsleiter, der den fachlichen Überblick behält. Jedem Kind bzw.. Jugendlichem kann dieser so behilflich sein, seinen ihm zugedachten Platz zum Wohle des Ganzen verantwortlich einzubringen. Ein Orchester lebt vom gemeinsamen Lernen, verfeinern des eigenen und aufeinander abgestimmten Spiels. So lernt auch Richard, daß  ein Augenoptiker im von diesem geführten Wechselspiel aus seiner Fachkenntnis heraus eine Brille in Feinarbeit anpaßt und damit Erfolg hat. Genaue Arbeit, wiederholte Rückversicherung des Anpassens und fundierte Beratung zum Wohle des Hilfesuchenden ist ein bedeutendes Motto des Handwerks: Statt schnellem, „billigem“ Erfolg und unter Umständen langwierigen Folgeuntersuchungen ist gründliche, auf die Person zugeschnittene, bewährt mittelständische Facharbeit vor Ort in der  Regel vorhanden.
Neben faktenbasiertem, interessanten Informationen bietet das Netz auch jede Menge Datenmüll – dies zu unterscheiden ist nicht immer einfach. Eines ist jedoch sicher: Der Mensch als soziales Wesen ist auf den Mitmenschen angewiesen und notwendig bezogen. Richards Freund Johann zeigt, was wirkliche Freundschaft ist:  Im direktem Wechselspiel mit seinen Freunden die Alltagsprobleme anpacken statt nach dem großen Geld zu schielen und sich im Handy zu verlieren.
Jeder Schüler, jeder Mitbürger muß unterscheiden lernen können, was wesentlich ist. Keinesfalls ersetzt eine Suchmaschine die Beziehung zum anleitenden Lehrer, der ein Fachgebiet erschließen hilft. Das ist mit Selbststeuerung aus sich heraus nicht möglich. Die Schwerpunkte, die Akzente muß ein Lehrer setzen und zwar im Klassenverband der persönlichen Begegung, damit die unterschiedlichen Aspekte der individiuellen Auffassung vom Gegenstand zum Tragen kommen.
Auch Leo erkennt schließlich bei den Barmherzigen Brüdern, was Teamgeist und individuelle Förderung des Einzelnen vermögen: Jeden Menschen individuell zu erfassen und zu befähigen. Damit verbunden sind Wertschätzung seines individuellen Beitrags zu einem Gemeinschaftswerk. Hier lernt Leo persönliche Bereicherung und Genugtuung, kann sich einreihen unter die Mitmenschen statt einsam und isoliert einem fiktiven wirtschaftlichem Erfolg unglücklich nachzustreben. Damit findet er schlußendlich vor allem wieder Zugang zu seiner Frau.

Mit Richard Emrich, Johann Schulz, Vera Blumberger, Leonhard Karl-Heinz Schramm, Willy und Gertrud Bauer, Evelyn und Thomas Berier, Kindern und Jugendlichen des Spielmannszuges der FFW Höchstadt, Günther Allinger, Detlev Troll, sowie weiteren Mitarbeitern der Werkstätten Barmherzige Brüder Gremsdorf, ferner Anna-Maria Lehle, Georg Weisel, Studenten der Uni Erlangen.u.a.
 

(1) Vgl. Maria Braun, Die gefährliche Sucht nach demp Smartphone, http://www.welt.de/regionales/nrw/article134314921/Die-gefaehrliche-Sucht-nach-dem-Smartphone.html

(2) Vgl. Manfred Spitzer, Cyberkrank!, Wie das digitalisierte Leben unsere Gesundheit ruiniert, 2015;
http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/buchkritik/buchbesprechung-manfred-spitzer-cyberkrank/-/id=658730/did=16390960/nid=658730/1ycudyr/index.html


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