Die kluge Müllerin

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„Die kluge Müllerin“ von der Aisch

Wie kann man die Vorzüge von regionalen Produktionskreisläufen spannend präsentieren und dabei auch noch den Genossenschaftsgedanken in den Mittelpunkt stellen? Vielleicht mit einem Film? Das Kulturkino in der Koslinger Straße [Höchstadt] hat das jetzt versucht. (...)

HÖCHSTADT – Gedreht wurde vor allem in der Greienmühle in Höchstadt sowie in der näheren Umgebung. Regisseur und Autor Werner Schramm, der auch das Kulturkino betreibt, hat sich eine dramatische Handlung ausgedacht: Der Kleinbauer Georg kann sein Getreide nicht mehr mahlen lassen und damit den Freibäcker Erbel nicht mehr beliefern, weil der Müller Michl seine Mühle geschlossen hat. Der nämlich hat Kredite vom Banker Richard genommen und seine Mühle verpfändet.
Bruder verspekuliert sich
Dies allerdings ohne Kenntnis seiner Schwester, die bei ihrer Rückkehr zur Mühle vor vollendete Umgestaltungsmaßnahmen gestellt wird. Da sie schon länger von ihrem Bruder – der sich verspekuliert hat – kein Geld erhalten hat, stellt sie ihn nicht nur zur Rede, sondern plant auch die Rettung der Mühle.
Der Banker allerdings arbeitet (zunächst) verdeckt mit einem Investor zusammen. Ihr Ziel ist es, verschiedene Objekte der Gegend zu einer Golflandschaft, zu Wellnesshotels und Logistikzentren umzugestalten. Dazu brauchen sie Eigentümer, die in die Schuldenfalle laufen. Allerdings haben sie die Rechnung ohne die couragierte Schwester des Müllers gemacht. Auf deren Initiative wird die Gründung einer Genossenschaft nach Raiffeisens Vorbild von Förderern der Regionalproduktion und  -versorgung auf den Weg gebracht. Die „Schlacht“ gegen die Renditehaie kommt immer mehr auf Touren.
Wohnstudio als Bankertreff
Die Dreharbeiten liefen im vergangenen Sommer, und Werner Schramm machte gegenüber den NN deutlich, dass er sich mit dem Thema regionale Wirtschaftskreisläufe insbesondere in der Landwirtschaft intensiv auseinandergesetzt hat.
Die Drehorte waren auch immer ein Ort der Information und des Nachdenkens, so vor allem die Greienmühle, aber auch der Biohof von Gerhard Willner in Dutendorf und der Hof von Hans Frischmann in Höchstadt. Das Wohnstudio Emrich diente als Bankerstützpunkt. „Wir haben rund zehn Stunden Video gedreht und daraus dann einen Film von 1:50 Stunden gemacht“, erklärt Werner Schramm. Das Thema regionale Versorgung und der Genossenschaftsgedanke habe ihn fasziniert, „und ich habe mir dann ein Konzept überlegt, wie man das vermitteln kann.“ Genossenschaften, so ist Schramm überzeugt, können gerade heutzutage noch viele positive Impulse geben, gerade in einer Zeit, in der globalisierte Wirtschaftskreisläufe zunehmend zu einer Gefahr für Natur und Gesundheit würden.
„Ich wollte mit diesem Film diese Dinge einfach mal wieder ins Bewusstsein rücken“, so der 64-Jährige. Wie nahe der Film trotz fiktiver Handlung der Realität kommen will, zeigt sich auch am „Freibäcker Erbel“, den es tatsächlich gibt, und zwar in Dachsbach. Auch dort wurde gedreht. Die dortige Bäckerei sucht sich Rohstoffe und Zutaten bewusst in der näheren Umgebung, auch deswegen, weil sie die Qualität dann besser kontrollieren kann. „Freibäcker zu sein heißt auch, so frei zu sein, keine Kürbiskernbrötchen anzubieten, wenn sein fränkischer Lieferant keine Kerne liefern kann“, so beschreibt es Werner Schramm.
Heimatgedanken stärken
Herausgekommen ist eine Mischung aus Wirtschaftskrimi und Heimatfilm. „Der Verein Kulturkino hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Heimatgedanken zu stärken.“ Die Förderung und Stärkung des Kleingewerbes in der Region liegen Schramm am Herzen. „Und das Kleingewerbe hat es heute schwer, weil große Firmen die langen Transportwege besser verkraften können.“ mk
An dem Film „Die kluge Müllerin“ haben mitgearbeitet: Georg Römer, Günther Weinkauf, Arnd Erbel, Ulrike Schramm, Johann Schulz, Richard Emrich, Ellen Schumm, Leonhard Hirl, Gerhard Willner, Heike Winkler, Alexander Ullrich, Hans Frischmann und andere. (...)

Aus: Nordbayerische Nachrichten Donnerstag, 15. Januar 2015 Höchstadt und Umgebung

Kameras und Fotos:
Werner Schramm
Johann Schulz
Andreas von Richthofen
Musik: Thomas Fink und andere