Ellen Schwiers

Eine Begegnung mit der Schauspielerin Ellen Schwiers

In ihrem Haus nahe Starnberg gab es unlängst eine Gelegenheit, die seit 60 Jahren im Beruf stehende Schauspielerin Ellen Schwiers zu interviewen. Das komplette Interview wird in Verbindung mit einer Filmauslese demnächst im Filmtheater zu sehen sein.
Erinnern Sie sich noch? Eine bekannte deutsche Krimiserie in den 60er Jahren war „Gestatten mein Name ist Cox“. Hier spielte Ellen Schwiers neben Günther Pfitzmann wie auch in vielen andere Filmen eine undurchsichtige, etwas anrüchig wirkende Frauenfigur. Sie habe von Jugend an als „apart“ gegolten, erläuterte Ellen Schwiers und ihr Gesicht habe sie als einen solchen Typ für eine Reihe von Filmen festgelegt. Im Dritten Reich galt sie als „asiatischer Typ“, mußte einen speziellen Ariernachweis erbringen und wurde in der Schule ausgegrenzt. Das setzte sich auch nach dem Krieg fort und die deutsch-französiche Aussöhnung machte sich für sie in der Filmbranche erst in den 80er Jahren bemerkbar. Gerade das positive Beispiel einer sicherlich mühsamen Ausheilung von Kriegswunden der einst als „Erbfeinde“ geltenden Länder beispielsweise durch Schüleraustausch ist für die immer noch auf der Bühne aktive Schauspielerin eine Art Modell.

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(Bild: Ellen Schwiers signiert ein Brett für einen Kicker der Barmherzigen Brüder Gremsdorf.
Die tiefe Ablehnung nicht nur des deutschen Großmachtwahns und Militarismus in welcher Form auch immer hat in der Familie von Ellen Schwiers Tradition. Ellen lernte frühzeitig durch das elterliche Vorbild, daß Opposition unter dem Schein von kleinen Zugeständnissen dennoch möglich blieb.
Regisseure des deutsches Nachkriegsfilms griffen in den 50er Jahren skandalöse Mißstände im Justizapparat und Strafvollzug auf und machten so mobil gegen Vorverurteilung aufgrund von Gerüchten oder sozialem Stand, wollten aber auch zur Auseinandersetzung mit der Kriegsfrage anregen. Bedeutende Filme wie „Der letzte Zeuge“ mit Ellen Schwiers, Martin Held und Hanns Lothar, aber auch „08/15“ mit Joachim Fuchsberger entstanden. Frau Schwiers machte im Gespräch deutlich, daß die Auseinandersetzung mit Schuld, Sühne und Wiedergutmachung ein kontinuierlicher Prozeß sein müsse und die Aufarbeitung unserer Geschichte noch viel individuelle Auseinandersetzung erfordere.
Eine der aktuellen Produktionen vom Tourneetheater „Das Ensemble“ ist in diesem Zusammenhang „Martha Jellneck“, die Geschichte eines Kriegsverbrechens und dessen späte Sühne. Bekanntermaßen haben nach dem Zweiten Weltkrieg eine Reihe Kriegsverbrecher unter falschem Namen weiter unter uns gelebt und die Frage nach der Strafverfolgung gegenwärtiger Kriegsverbrecher und Wiedergutmachung für ihre Opfer bleibt eine offene Wunde der Weltgemeinschaft. Die andere Produktion „Sara soll unter die Haube“, in der neben Ellen Schwiers auch ihre Tochter Katharina Jakob brilliert, befaßt sich mit einem immerwährenden Familienthema: Wie macht man einen eingefleischten Single bindungsbereit. Vielleicht gelingt es, „Das Ensemble“, das im Januar 2007 wieder auf Tournee geht, auch in unser Umfeld zu holen und Ellen Schwiers, Holger Schwiers, Katharina Jakob („Polizeiruf 110“, „Der Bulle von Tölz“) sowie andere hervorragende Schauspieler life zu erleben.