Henry Dunant

Bewegende Veranstaltung im BRK-Alten- und Pflegeheim Etzelskirchen (Höchstadt/Aisch)

Hand auf s Herz, würden sie jemandem helfen, der sie bis vor kurzem noch bedroht hat? Würden sie sich liebevoll um seine Kinder kümmern, alle Kosten für sie übernehmen und sie dabei nie spüren lassen, dass sie Fremde sind?
Nun, viele Schweizer haben genau  das getan. „Alle Menschen sind Brüder!“ – dieser Leitspruch von Rot Kreuz Gründer Henry Dunant, haben sie gelebt und umgesetzt.  Für fast 44 000 deutsche Kinder waren sie für drei Monate nach dem 2. Weltkrieg Retter in der Not.  Der Dank?

KindezügeKöln1

Zeitzeugen im Alten- und Pflegeheim Etzelskirchen, die noch heute voller liebvoller Erinnerungen und großer Dankbarkeit von Ihren Erlebnissen in der Schweiz berichten. Christoph Tietze (Ochsenfurt, Franken) und Marita Weber (Ebermannstadt, Franken) begleiteten die Ausstellung zum humanitären Engagement  der Schweiz „Kinderzüge in die Schweiz 1945-1956“. Sie erzählten den Heimbewohnern und Gästen gerne von ihrer Erfahrungen mit ihren Pflegeeltern und waren sich einig; dass diese Zeit in der Schweiz ein großartiges Geschenk war, oder wie Christoph Tietze es nannte: „Einfach ein Traum!“ Heimleiter Jürgen Ganzmann und Kreisgeschäftsführer Jürgen Üblacker waren natürlich auch stolz das „ihr“ Rotes Kreuz hier entscheidend mitgeholfen hatte, die Kinderzüge zu organisieren und den Transfer von Deutschland in die Schweiz zu finanzieren.
Die 78-jährige Heimbewohnerin Annemarie Böhringer hat zwar nicht als Pflegekind in der Schweiz gelebt, arbeitet aber mit 20 Jahren in Zürich drei Jahre lang als Haushälterin und konnte nur bestätigen, dass die Schweizer außerordentlich nette und zuvorkommende Menschen sind, die sie immer als eine der ihren aufgenommen hat. Begeistert hörte sie zu, als Christoph Tietze und Marita Weber von ihrem Aufenthalt in der Schweiz erzählen.
Beide hatten als Kinder die Schrecken der Vertreibung und die gefährliche Flucht überlebt. Christoph Tietze und sein Zwillingsbruder Wolfram waren die jüngsten von fünf Kindern gewesen und waren nach ihrer langen und beschwerlichen Flucht so dünn, dass die Bäuerin, wo die Familie untergekommen war, heulen musste, als sie die Mutter beim Waschen der Kinder gesehen hat. Schnell brachte sie Brot, Butter und Kartoffeln. Die Schulärztin schickte beide Brüder dann in die Schweiz. Dort kommen sie  zu Familie Hüni, ein kinderloses Ehepaar, die sich rührend um die Beiden kümmerte. Es waren nicht die ersten Kinder, die dieses Paar aufgenommen hatte, sondern Nummer fünf und sechs. In einem kleiner Haus konnten sich die beiden Buben von den Kriegsstrapazen erholen, oder wie Herr Tietze es ausdrückte: „Etwas besseres hätte uns nicht passieren können!“ Die Tante und der Onkel Hüni wurden für beide Kinder bald zur Ersatzfamilie, die nicht nur für die körperliche Verpflegung aufkam, sondern auch Ausflüge mit den Beiden unternahm und sie so all die schrecklichen Kriegserlebnisse vergessen ließen. Der Kontakt zwischen diesen vier Menschen brach nie ab, solange sie lebten. Und bald will Christoph Tietze die Kinder der Hüni s besuchen, die diese 15 Jahre später doch noch bekamen, und ihnen von ihren großzügigen Eltern aus seiner Sicht erzählen.
Der Kontakt zwischen Marita Weber und ihren Pflegeltern ist leider in den Wirren der Nachkriegszeit abgebrochen, aber als sie anfängt von ihrer Zeit dort zu erzählen, spüren alle Besucher der Ausstellung, dass es wunderschöne Tage für das kleine Mädchen Marita gewesen sein müssen. In einem kleinen Dorf auf dem Lande hatte sie das Glück zu einer Bauernfamilie zu kommen, die viele Tiere und vor allem Pferde hatten, auf denen sie täglich reiten dürfte. Sie beschreibt die Schweizer mit drei Worten: „Freundlich, frei und offen!“ Die Heimbewohner von Etzelskirchen hörten dem Vortrag aufmerksam zu und fühlten sich oftmals erinnert an ihre eigene Jugend, die geprägt war von Schrecken und Entbehrungen der Kriegsjahre.
„Mit unseren Ausstellungen und Veranstaltungen wollen wir die Vergangenheit unserer Heimbewohner würdigen und nicht in Vergessenheit geraten lassen“, so Heimleiter Jürgen Ganzmann. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz setzt sich seit 1945 für die Abschaffung von Atomwaffen ein. „Auf tragische Weise wird uns bei den aktuellen Ereignissen in Japan wieder bewusst, wie bedrohlich diese sind“, so BRK-Kreisvorsitzender ERH (Franken) Jürgen Üblacker.
Die Schlacht von “Solferino” (gleichnamiges Buch) ging in die Geschichte ein.