Mediengewalt

Gewaltkultur verhindern!

Gewaltdarstellungen in den Medien sind eine Gefahr für unser demokratisches und soziales Gemeinwesen

Die Unterhaltungsmedienindustrie hat einen rasanten Aufschwung genommen: „Die Videospielindustrie boomt. 2005 setzte die Branche weltweit rund 35 Milliarden Dollar (etwa 29,5 Milliarden Euro) um. Das ist etwa doppelt soviel wie die Filmindustrie in Hollywood erwirtschaftet. Bis 2010 erwarten Analysten jährliche Wachstumsraten von 15 Prozent.“[1] Ein großer Teil der Kundschaft für solche Softwareprodukte sind Kinder und der Gewaltanteil ist bei diesem Mediensegment besonders hoch. Insgesamt steigt der Medienkonsum von Kindern und mit ihm der von Gewaltdarstellungen. 
Bereits Ende der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts stellte die 1. US-amerikanische ‚Antigewaltkommission’ beispielsweise fest: „Das Fernsehen tritt mächtig in den Lernprozess der Kinder ein und lehrt sie eine Reihe moralischer und sozialer Werte über Gewalt, die mit den Standards einer zivilisierten Gesellschaft unvereinbar sind.“[2] Papst Paul II. hob anlässlich des Welt-Komunikationstages 2004 „warnend hervor, ’daß Familien heute mit neuen Herausforderungen durch die vielfältigen und oft widersprüchlichen Botschaften der Massenmedien konfrontiert werden.’ Der Papst lädt die Familien dazu ein, darüber nachzudenken, wie sie die Medien benutzen, und wachsamer zu verfolgen, wie die Medien familienbezogene Themen behandeln. Der Papst hat gute Gründe, Eltern zur Wachsamkeit gegenüber dem, was ihre Kinder anschauen, zu mahnen. In Großbritannien zeigte eine von der Rundfunkkontrollkommission von 1996 bis 2001 durchgeführte wissenschaftliche Untersuchung, dass in vielen Haushalten das Fernsehen vom Morgen bis in die Nacht dauernd eingeschaltet ist, meldete am 10. Juni letzten Jahres die Zeitung ‚Guardian’. Die meisten Eltern sagten, sie wollten keinen Ärger dadurch verursachen, daß sie ihre Kinder aufforderten, das Fernsehen auszuschalten. ‚Die Kinder in unserer Untersuchung konnten sich ihr Leben nicht ohne Fernsehen vorstellen. Einige fanden es unglaublich, das Abschalten des Fernsehers in Betracht zu ziehen’, kommentierte Kam Atwal, der für die Studie zuständige Forschungsleiter.“ [3]
Exzessives Fernsehen hat aber eindeutig keine bildende sondern eine bildungsreduzierende Wirkung. Mehrere Untersuchungen zeigen, dass Sprachstörungen von Kindern im Vorschulalter zunehmen. Es gilt dabei als belegt, dass „Vielsehen (zwei Stunden täglich) mit sechs Jahren die Sprach- und Lesekompetenz der Kinder im Vor- und Grundschulalter stark schädigte“[4]. Die Zahl der kindlichen Sprachentwicklungsstörungen bei hirngesunden Kindern hat von 4% im Jahr 1977 auf 25% im Jahr 2000 zugenommen. Ohne zwischenmenschliche Beziehung ist kein Spracherwerb möglich, es braucht das differenzierte Wechselspiel zwischen Eltern und Kind und vor allem das Sprechen.
Zu beobachten ist aber ein Rückgang des Sprechens in den Familien; das Fernsehen hat einen Großteil der Kommunikation übernommen und kann für Aufmerksamkeitsstörungen bei Kleinkindern verantwortlich gemacht werden, weil das reale Übungsfeld massiv eingeschränkt wird. Wie der Neurobiologe Prof. Manfred Spitzer nachweist, ist das Fernsehbild an sich für die kindliche Hirnentwicklung nicht unproblematisch. In der Hirnstruktur ist etwa nachlesbar, welche Sinne ausgebildet wurden – eher visuelle oder auch taktile etc.  Bislang fehlt jeder Beleg dafür, welchen entwicklungspsychologischen Nutzen Vorschulkinder durch Fernsehen oder Computer haben. Die Verengung kindlicher Erfahrungsumwelt hin zu einem gut angepassten „Massenkonsumenten“ ist dabei eine der zentralen, prägenden Funktionen des Fernsehens – wie auch anderer vermeintlich „kindgerechter“ Angebote – überhaupt.
In Sozialberufen Tätige beobachten schon lange eine Zunahme von Sprachproblemen, Aufmerksamkeitsstörungen, Rückzug bis hin zu offener Aggressivität vor allem bei Kindern und Jugendlichen in Abhängigkeit von deren Medienkonsum bzw. dem Konsum gewalttätiger Inhalte. Aber auch eine zunehmende Teilnahmslosigkeit bei den erwachsenen Zeugen von Gewaltakten ist besorgniserregend. Beobachtet wird zudem eine um sich greifende „Flucht vor Verantwortung“, die gerade durch starken Fernsehkonsum und Computerspiele gefördert wird. Viele Kinder trauen sich nicht in die nähere Umgebung ihrer Wohnung hinaus und werden dazu auch immer weniger angeregt. Wurde früher noch gerne im Wald gespielt, dort beispielsweise ein Baumhaus errichtet, so kommen solche Freizeitbeschäftigungen in der Alltagswelt von Kindern heute kaum mehr vor, sind oftmals aufgrund eines komplett durchstrukturierten Tagesablaufs auch nicht mehr möglich. Gameboy, Playstation oder der Computerbildschirm hat vielfach die Begegnung mit der Natur abgelöst.
Die zunehmenden Gefahren durch eine stetig wachsende Verkehrsbelastung befördern eine Tendenz zum Rückzug an vermeintlich sichere Orte, dem „Spielplatz“ Computer. Spiel findet weniger spontan im öffentlichen Raum statt und zumeist nur noch mit „ausgesuchten“ Freunden. Die eingeschränkte Erfahrungswelt der Kinder wird wiederum erweitert durch mediale Angebote, die speziell über das Fernsehen angeboten werden. Vor allem bei den werbefinanzierten Privatsendern gibt es vielfach „Kinder“sendungen mit sogenannten Aufmerksamkeitsverstärkern in Form von Action- und Gewaltdarstellungen – und so werden früh suchtförmige Reizsysteme eingeübt, die oft als Gegensatz zur „langweiligen“ realen Umwelt erlebt werden. Wie anders ist es zu erklären, wenn nach einer UNESCO-Studie (1998) 30% der 12-jährigen Jungen in 23 Ländern Actionhelden wie Terminator als ihre Vorbilder bezeichnen? Andererseits finden wir auch immer häufiger eine wachsende Aggressivität gegenüber Senioren aber auch von Senioren untereinander oder von diesen ausgehend gegenüber Kindern. Die Einsamkeit des älteren Menschen vor dem Fernseher kann zu solchen Gewaltausbrüchen führen, dass Nachbarn verprügelt oder im Altersheim mit Fäusten aufeinander losgegangen wird. 
Das stundenlange Fernsehschauen an sich ist eine köperliche und seelische Strapaze, führt zu Vereinsamung, fördert Aggressionen bei Jung und Alt. Tatsache ist, dass ungezügelter Medienkonsum zu körperlicher Unausgeglichenheit und Passivitätsgefühlen führt, die dann durch Gewaltdarstellungen und Omnipotenzgefühle in ein sensationslüsternes Suchtverhalten münden und verfestigt werden können. Eine Abstumpfung des Mitgefühls senkt die natürliche Hemmschwelle gegen Gewaltanwendung. Bei Konsumenten gewalttätiger Inhalte können sich Ängste und Depressionen verfestigen bis hin zu dem Gefühl, die Welt sei ein böser Ort. 
Insgesamt können wir in den letzten Jahren eine dramatische Zunahme von Angebot, Verfügbarkeit und Zugangsmöglichkeiten von (gewalthaltigen) Medienprodukten beobachten. Durchschnittlich konsumieren allein in den USA Kinder und Jugendliche pro Tag acht Stunden Bildschirmunterhaltung, wovon in einem Großteil Probleme mit Gewalt „gelöst“ werden. Der Kriminologe Christian Pfeiffer warnt vor einer gravierenden Unterschätzung des Problems „Medienverwahrlosung“ – also a) die Voranstellung von Medienkonsum vor Familienleben und b) damit gleichzeitig die überproportionale Thematisierung von Gewalt bzw. dem Konsum von Gewaltfilmen. So sehen etwa 20 % der deutschen Jugendlichen im Durchschnitt täglich einen Horrorfilm: Vokabellernen sei nach so einem Film nicht mehr möglich, da die „emotionale Wucht“ der Bilder das Gelernte verdränge.
Die ehemalige Bundesfamilienministerin Renate Schmidt erläuterte in einem Interview: „Natürlich hat Aggression unter Jugendlichen sehr viele Ursachen. Die Medien haben aber einen großen Anteil, weil sie Gewalt oft verharmlosen. Wenn man von klein auf dauernd sieht, wie im Fernsehen gestorben wird, wenn also etwas eigentlich Fürchterliches alltäglich wird, kann auch die Hemmschwelle sinken, selbst gewalttätig zu werden. Ich würde aber niemals behaupten, die Medien trügen die Alleinschuld. Die Botschaft sollte sein: Man muss Rücksicht aufeinander nehmen. Da ist es natürlich ganz wichtig, dass die Kinder zu Hause entsprechende Vorbilder haben und von ihren Eltern gewaltfrei erzogen werden.“[5] In einem Leserbrief machte Frau Schmidt (MdB) deutlich, daß sie dabei bleibe:
„Ein eigenes Fernsehgerät für Kinder im Vorschulalter ist Körperverletzung.“[6] Der Bamberger Psychologe Professor Herbert Selg spitzt es zu: „Grundsätzlich bergen jedoch Gewaltdarstellungen in den Medien soziale Risiken von der Art, dass sie die Aggressionsbereitschaft, zumal bei Kindern und Jugendlichen, erhöhen können. Einige werden zur Imitation verführt. Hand in Hand geht damit eine Abstumpfung gegen Gewalt. Ich möchte die Aussage wagen, dass gewaltverherrlichende Mediendarstellungen psychische Kindesmisshandlungen sind. Denn alles, was gezielt jemandem Schaden zufügt, nennen wir eine „Aggression“ (oder von einer bestimmten Stärke an auch „Gewalt“). Unkritische Gewaltdarstellungen schaden vielen Kindern: sie beeinflussen deren Entwicklung in unerwünschtem Sinne. Insofern sind sie selber Fälle von (psychischer) Gewalt, nicht nur Abbilder von Gewalt. Wenn Mediengewalt Kindern ohne einen Kontext vorgesetzt wird, in dem die Gewalt sensibel reflektiert wird, hat dies den Charakter einer psychischen Kindesmisshandlung (zus.gefaßt bei Hearold, 1986; Wood, Wong & Chachere, 1991 und Petermann, 1994).“[7] 
Dave Grossman, ehemaliger Militärpsychologe und Buchautor, fasst darunter Darstellungen von Gewalt in den überwiegend elektronischen Medien, „die gewalttätige Handlungen gegenüber Menschen oder Tiere verherrlichen und/oder sensationell ausschmücken und sie als akzeptables Verhalten zeigen.“ Dabei sind gewalttätige Handlungen bzw. „Gewalt (...) die gezielte Anwendung von Zwang, um Menschen oder Tieren Schaden zuzufügen. Das Ergebnis ist eine Verletzung – physischer oder psychischer Natur, tödlich oder nicht tödlich.“[8]  Eine der derzeit beliebtesten Unterhaltungsformen stellen interaktive Videospiele dar, die sogenannten Tötungssimulatoren. Mit diesen, so Grossman[9], können unsere Kinder wenn sie wollen, das Töten von Menschen üben. Damit lässt unsere Gesellschaft etwas zu, was nicht nur einzelne Individuen sowohl psychisch als auch physisch schwer schädigen und tödliche Folgen für Mitglieder unseres Gemeinwesens haben kann. So gab es in den USA innerhalb eines Jahres mehr als 150 School-Shootings, in Deutschland hatten wir mit Passau, Bad Reichenhall, Meißen, Erfurt ähnliche Ereignisse mit 30 Todesopfern und weiteren Schwerverletzten. Ob Ego-Shooter oder Strategiespiel, sie üben solche Reaktionsmuster ein und machen damit ein Ausweichen auf Gewalt als vermeintliche Problemlösungsstragie wahrscheinlicher. 
Die neuesten Produktionen auf dem Spielemarkt sind an Brutalität kaum zu überbieten: „Brecheisen, Hammer, Kettensäge bezeichnen die Evolutionsstufen bei der virtuellen Menschenjagd. Gnade bringt keinen Punktgewinn. Ego-Shooter war gestern; das Videospiel ‚Manhunt’ fordert den ganzen Sadisten“.[10] Mit der heutigen Technik ist es allerdings auch möglich Konterfeis von missliebigen Personen (z.B. Lehrern, Eltern) einzuscannen und im Spiel abzuschießen oder zu quälen. Neben den Computerspielen werden allerdings auch gewisse Fernseh- und Videofilme immer brutaler. Außerdem sinkt mit der Gewöhnung die kritische Aufmerksamkeit, so dass Spätabendkrimis von gestern heute in den Nachmittagsprogrammen zu finden sind.  Obwohl es entsprechende Gesetze und Kontrollinstanzen gibt, scheint die Politik vor der Mediengewaltflut längst kapituliert zu haben bzw. das Credo des freien Marktes höher zu stellen, als die verfassungsmäßig verbrieften Grundwerte unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens. 
Mediengewalt - ganz gleich ob in Harry-Potter-Büchern, Kinofilmen, im Fernsehen, in Videospielen oder in der Musik – stellt ein deutliches Risiko für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen dar. Zu diesem Schluss kommt die amerikanische Akademie der Kinderärzte (AAP). Es gilt als durch umfangreiche Forschungsergebnisse belegt, dass Mediengewalt zu aggressivem Verhalten beitragen kann ebenso wie zu Desensibilisierung (Abstumpfung) gegenüber Gewalt, zu Alpträumen und zu Angst vor Verletzungen durch andere sowie eines Verlusts jeglichen Mitgefühls. Neben der AAP gaben die Amerikanische Medizinische Gesellschaft, die Amerikanische Akademie der Kinder- und Jugendpsychiatrie und die Amerikanische Psychologische Gesellschaft im Jahr 2000 eine gemeinsame „Erklärung zum Einfluss von Unterhaltungsgewalt auf Kinder“ heraus. 
Der Endpunkt einer ungünstigen Entwicklung, die durch hohen Medienkonsum begünstigt wird, kann eine psychiatrisch relevante Auffälligkeit sein, die in Gemeinschaft behandelt werden müssen: Entmutigungssymptome, Aggressivität. Auf Grund der hohen Kosten wird aber immer häufiger eine zudeckende Behandlung mit Psychopharmaka gewählt – mit langfristigen Folgen wie psychische Unbelastbarkeit und Organschäden.  Die Befunde der Entwicklungspsychologie speziell der Bindungsforschung sind eindeutig. Hilfestellung für Eltern zu geben ist eine gesellschaftliche Aufgabe genauso wie Schule auch einen Erziehungsauftrag hat. Prävention gegen alle Formen von Gewalt beinhaltet demnach eine gezielte Anleitung für Lehrer und Eltern, wie sie den Erziehungsprozess gemeinsam mit den Kindern gestalten können. Die sogenannte Wohlstandverwahrlosung, das Ausgerichtetsein auf den mundgerechten Konsum von Nahrung, Freizeit und Bildungsbrocken sind das Resultat auch einer durchorganisierten Lebenswelt von Kindern. 
Statt sozialer Verläßlichkeit, in der Kinder Halt finden und Verantwortung für und in der Familie/den Kindergarten/die Schule übernehmen, werden Kinder oftmals in enge Zeitschemata gepresst oder sollen selbstreguliert in der Konsumglitzerwelt („über“)leben. In diese Schematat ist Medienkonsum integrierbar, spontanes Spiel lässt sich weniger leicht an- und ausschalten und verläuft auch nicht immer nach Plan. Papst Paul der II. empfahl in seiner bereits erwähnten Botschaft unter anderem: „Eltern, als die ersten und wichtigsten Erzieher ihrer Kinder, sind auch die Ersten, die sie über die Medien zu unterrichten haben. Sie müssen ihren Nachwuchs zu einer maßvollen, kritischen, wachsamen und umsichtigen Nutzung der Medien anleiten. Dies bedeutet auch, dass sie dazu erzogen werden sollten, nicht unkritisch zu akzeptieren oder nachzuahmen, was sie in den Medien finden.“[11] – und nicht nur dort!
Die zunehmende Abschottung vor allem von jungen Menschen übers Internet oder vor dem PC ist ein Indiz für eine misslungene Einübung in sozialer Verantwortung. Wer soll denn künftig das wirtschaftliche und soziale Zusammenleben demokratisch gestalten, wenn dies nie gefordert bzw. trainiert wurde? Unsere erwachsenen Gegenbeispiele einer Wertorientierung auf konstruktiver Basis sind gefordert. In seiner Botschaft zur Feier des Weltfriedenstages am 1. Januar 1979 fasste Papst Paul II. als christliche Aufgabe eine Erziehung zum Frieden:
„Euch, allen Christen, den Gläubigen und den Menschen guten Willens wiederhole ich - fürchtet euch nicht, auf den Frieden zu setzen und erzieht für den Frieden. Das Streben nach Frieden erfährt nie eine Enttäuschung. Das Friedensstreben, das von Liebe beseelt wird, die nicht vergeht, trägt Früchte. Der Frieden ist das letzte Wort der Geschichte.“
Unser Grundgesetz stellt in Artikel 26 konsequenterweise „Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völkern zu stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten“ als verfassungswidrig unter Strafe. Insofern muss endlich auch diskutiert werden, ob die Konstruktion und Verbreitung von „Tötungssimulatoren“ sowie das Zusammenschließen von Menschen in sogenannten „War-Clans“ nicht zu verbieten sind.  Wie können wir zu einer sichereren Medienumwelt für Kinder und Jugendliche beitragen? Eltern und Kinder müssen zu einem überlegterem und bewussteren Mediengebrauch kommen.
Die Medienproduzenten müssen im Sinne einer Produkthaftung in die Pflicht zu einer verantwortlicheren Darstellung von Gewalt gebracht werden, effektive Medien-Ratings statt der unbrauchbaren Bewertungssysteme der Unterhaltungsmedienindustrie durchgesetzt werden. Die Einstufungen werden in der Regel von Einrichtungen vorgenommen, die von der Medienindustrie finanziert oder von den Produzenten selbst. Aufgrund der Anwendung nicht vergleichbarer Kriterien wirken die Einstufungsskalen für die verschiedenen Medien – Musik, Kinofilme, Fernsehen, Videospiele – verwirrend. Eltern, Lehrern und Medienproduzenten sehen es unterschiedlich, welche Inhalte für welche Altersstufen angemessen sind. Selbst bei Material, das seitens der Medienindustrien als nur für Erwachsene angemessen eingestuft wird, wird eine „ausgesprochen aufdringliche und aggressive Werbung für gewalttätige Filme, Musik und elektronische Spiele bei Kindern betrieben.“[12]
Wie können wir erreichen, dass Einstellungen und Handlungen junger Leute nicht länger zunehmend von Medienvorbildern geformt werden? Dies ist vor allem deshalb eine Gefahr für unsere demokratisch verfassten Gesellschaften, weil junge Menschen in steigendem Maße Gewalt als gerechtfertigtes Mittel ansehen können, um Konflikte zu lösen und andere zu besiegen bzw. eigene Ziele zu erreichen.  Der Lehrer und Schulpsychologe Dr. Werner Hopf macht deutlich, dass genügend empirische Untersuchungen vorliegen, die zeigen, dass „ konsequente, nicht aufdringliche elterlich Kontrolle und Führung, ebenso elterliche Wärme und Unterstützung Hauptfaktoren für eine gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen sind. Sie zeigen das elterliche Interesse am Kind. Eltern tragen die entscheidende Verantwortung für den Medienkonsum ihrer Kinder und Jugendlichen, da die politisch Verantwortlichen nicht bereit sind, z.B. die Produktion und Verbreitung gewaltverherrlichender Sendungen und PC-Spiele zu verbieten. ...
Die Selbstregulation der Kinder hinsichtlich ihres Medienkonsums ist eine emotionale und kognitive Überforderung, kaschiert als liberale Haltung, die in Wirklichkeit die Kinder verführt“.[13] Wir müssen darüber diskutieren, was elterliche Führung bedeutet, warum Bindungssicherheit für Kinder unabdingbar ist und wie sie zu erreichen ist, was der Sinn des Lebens eigentlich ist und wie und warum Schule und Elternhaus gemeinsam den destruktiven Wirkungen von Mediengewalt entgegenwirken können bzw. müssen. Dabei ist es wichtig, vom jeweiligen Erfahrungshorizont der Kinder ausgehend einen Ausweg aufzuzeigen. Bei Vorschulkindern kann man sicherlich leicht darauf achten, dass sie nicht durch vermeintliche Lernsoftware einen frühen Einstieg in die PC-Spielewelt finden. Bei Jugendlichen mit vielleicht schon drastischen Erfahrungen in diesem Bereich müssen andere Angebote gemacht werden, um sie zu einem konstruktiven Medienumgang hinzuführen. 
 
Literaturhinweise:
Rudolf und Renate Hänsel (Hrsg.), Da spiel ich nicht mit! 
Lt. Col. Dave Grossman/Gloria DeGaetano, Wer hat unseren Kindern dass Töten beigebracht?
Werner H. Hopf (Hrsg.), Bilderfluten
Werner Glogauer, Die neuen Medien machen uns krank
 
[1] Welt am Sonntag, 29. 01. 2006
[2] Hans Joachim Schneider in: Da spiel ich nicht mit!, R. u. R. Hänsel, S, 8
[3] Kinder: „Kanonenfutter“ für das Fernsehen, New York, 07. 02. 2004 (ZENIT.org)[4] Werner H. Hopf, Kritische Medienerziehung in Familie und Schule. In: Da spiel ich nicht mit!, S. 172
[5] Gewalt im Fernsehen ist kein Kavaliersdelikt, in: Die Welt, 29. Aug 2003
[6] „Fernsehen ist kein Babysitter“, Erlanger Nachrichten vom 18.02.2206[7] Gewalt in Medien - Möglichkeiten von Eltern zur Vermeidung negativer Auswirkungen in: Herbert Selg, Kindheit und Entwicklung 6, 1997 (Lehrstuhl für Psychologie I, Universität Bamberg)
[8] Grossman/De Gaetano [2002]. Wer hat unseren Kindern das Töten beigebracht?, Stuttgart, S. 127
[9] Grossman, a.a.O. S. 34 ff
[10] SZ vom 20.04.04
[11] Kinder: „Kanonenfutter“ für das Fernsehen, New York, 07. 02. 2004 (ZENIT.org)[12] US Federal Trade Commission. Marketing Violent Entertainment to Children: A Review of Self-Regulation and Industry Practices in the Motion Picture, Music Recording an Electronic Game Industries. Washington DC, 2000
[13] Werner H. Hopf, Kritische Medienerziehung in Familie und Schule. In: Da spiel ich nicht mit!, S. 174f
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