Seniorenwohnen

Seniorengemeinschaft zum Null-Tarif

Ein lebendiger Gesprächsabend über ein zunehmend wichtiger werdendes Thema
Kunibert Wittwer, katholischer Pfarrer, Heimleiter und stellvertretender Kreisvorsitzender des VdK jeweils im WS_WittwerklUnruhestand, war zu Gast im Kulturkino Koslinger Straße, Höchstadt. Unter dem Titel "Wohnen im Alter - am liebsten daheim" stellte er ausgehend von seiner Hochhauswohnung ein Netzwerkprojekt vor, das abgewandelt jedermann beginnen kann. Allerdings sollte bereits mit 65 Jahren damit begonnen werden, auf das Leben mit 75 Jahren hinzuarbeiten. So kann beispielsweise eine Knieoperation einen kurzzeitigen Rollstuhleinsatz erfordern. Die Wohnung der Wittwers ist vom Parkplatz bis zur Dusche, ohne eine einzige Stufe bewältigen zu müssen, erreichbar.
Zudem sollte frühzeitig daran gedacht werden, ob die Infrastruktur des Wohn-/Hausumfeldes für ein Leben im Alter geeignet ist,falls jemand später einmal nicht mehr ausreichend mobil sein könnte. Auf einer thematischen Karte mit Kennzeichnung der Versorgungseinrichtungen des Stadtteils schlug Herr Wittwer mit dem Zirkel einen Radius von 500m Metern und prüfte, ob Einkaufsmarkt, Friseur, Café, Krankengymnastik etc. fußläufig ereichbar sind. Die Verkehrsanbindung durch Busse ist ebenfalls leicht zu erreichen und drei Buslinien bringen jedermann im 10 Minutentakt in die Erlanger Innenstadt.
Gefunden haben die Wittwers die anderen Senioren durch einen Aufruf, den sie in die umliegenden Briefkästen verteilten. Aus gegenseitigem Kennenlernen mit Treffen etwa alle 4-6 Wochen und Unternehmungen in Kino, Theater etc. wurden im Laufe der Jahre Freundschaften mit gegenseitiger Hilfe,aber auch Besuchen bei Krankheit allerdings ohne Pflege. "Das Leben miteinander teilen" ist das Motto der Treffen, die abwechselnd in den Wohnungen stattfinden. Frühzeitig sich ein Netzwerk an Beziehungen aufzubauen ist die Devise, damit es später trägt. Die eigene Familie kann dabei nicht immer mittragend sein, denn die ungesicherte Arbeitssituation auch vieler junger Leute erfordert oftmals weiträumige Umzüge.
Das gemeinsame Gespräch bei den Treffen und Unternehmungen ging über die Fragen des Älterwerdens schnell hinaus und es wurde deutlich, daß die Gemeinschaft - auch in wechselnder Besetzung - ganz gut ins Gespräch kam. Dabei erforderte das Aufkommen unterschiedlichster Meinungen - auch aus der jeweils verschiedenen ethnischen Herkunft heraus - Toleranz und mit dem anregenden Erlebnissen wuchs dabei die Freude an weiteren Treffen. Wichtig ist auch, daß kein Druck zu einer aufwendigen Bewirtung mit "Kochorgien" entsteht. Von Anfang an galt also die Devise: Karge Bewirtung. Im Mittelpunkt steht das gegenseitige Interesse und der Austausch über die gesellschaftlichen Fragen, die eigentlich uns alle bewegen.