Weitere Filmbesprechungen

“Tschick” wird als Jugendliteratur und -film gefeiert. Er fordert allerdings zu einem Bruch mit der Erwachsenenwelt auf, so der Autor. Eine gefährliche Tendenz. Ein propagierter Vergleich mit Mark Twain ist jedoch verfehlt.

Besprechung:
Warum Herrndorfs Roman „Tschick“ nicht Mark Twain das Wasser reichen kann

 

Die Rückkehr der Euthanasie wird politisch und medial auf den Weg gebracht. Die Filme “Am Ende ein Fest” und “Das Leuchten der Erinnerung” zeigen dies.
Filmkritik zuAm Ende ein Fest

Filmkritik zuDas Leuchten der Erinnerung

Sehr geehrte Damen und Herren,
Liebe Freunde,
Liebe Kollegen,
wenn man die Ankündigung liest, erscheint er harmlos:
„In Roadmovies geht es fast immer auch um eine innere Reise der Figuren zu sich selbst – beim Trip von A nach B gewinnen sie Klarheit für das weitere Leben. Eine etwas andere Perspektive nimmt der italienische Regisseur Paolo Virzi („Die Überglücklichen“) nun mit der Verfilmung von Michel Zadoorians Roman „The Leisure Seeker“ (der nach Freizeit Suchende) ein, in der er die Altstars Donald Sutherland („Die Tribute von Panem“) und Helen Mirren (Oscar für „Die Queen“) als seit 50 Jahren verheiratetes Ehepaar auf eine Reise schickt. Denn wo andere Antworten suchen, wollen die beiden nur eins: sich erinnern. Der Filmemacher lässt seinen Hauptdarstellern weitgehend freie Hand, die danken es ihm und erweisen sich als wunderbares Gespann, das aus der gefühlvollen Roadmovie-Tragikomödie „Das Leuchten der Erinnerung“ sehenswertes Schauspielerkino macht.“ (http://www.filmstarts.de/kritiken/247523/kritik.html)
Die „Besprechung“ verschweigt allerdings:
Ich finde den Film sehr schwierig und würde gerne wissen, wie er auf ältere, zumal kranke Zuschauer wirkt – was ich eigentlich unzumutbar finde. Der Film ist so aufgebaut, daß er ähnlich wie „Am Ende ein Fest“  die Tötung auf Verlangen bzw. den assistierten Suizid - hier ihr Selbstmord und seine Ermordung/Tötung als „Liebesakt“ - als logisch erweist. Die Frau bringt sich und ihren bereits schlafenden Ehemann mittels ins Wageninnere gelangenden Abgasen um. Im Gebrauch ist ein Schlafmittel. Es wird je nach Rechtssystem als eine Form eines Tötungsdeliktes (ob Mord oder Totschlag) etc. zu werten sein. Sie, Ella,  scheint es bereits zu Beginn der Reise vorzubereiten (man beachte die „Pupsszene“ – in Wirklichkeit Autoabgase, die sie vorerst abdeckt), mit einem schwer dementen Mann am Steuer, der dennoch fährt, wie sie sagt und der dann zwischendrin immer wieder „wegkippt“. Nach einer enttäuschenden Verletzung seinerseits gibt sie ihn in einem furchtbaren Heim ab, woraufhin es nachvollziehbar erscheinen soll, daß er ihr das Versprechen abnimmt, ihm dann irgendwann das Gewehr zur Selbsttötung zu geben – sie verspricht ihm, ihn nie allein zu lassen.
Im Abschiedsbrief schreibt sie, daß sie nicht zur Last fallen wollen – in den USA mit der individuellen Freiheitsideologie, dem „Macht die USA wieder groß“- Geschrei bei der gezeigten Demo (an der er teilnimmt), was wohl die Entsolidarisierung überdecken soll – der Sohn ist überfordert mit dem Vater (bräuchte professionelle Hilfe – USA hat mit Sozialstaat nichts am Hut!) , die Tochter kümmert sich auch nicht – so antwortetet der Sohn am Grab, auf die Frage der Schwester, ob er traurig sei, mit nein. Die Frau hat einen Darmkrebs, der im Anfangsstadium behandelbar gewesen wäre … Es konnte passieren, daß der Krankenwagen wieder abfährt, wenn man kein Versicherungskärtchen hat etc.. S. US-amerikanisches Gesundheitssystem Michael Moore „Sicko“!
„In dem Film werden unter anderem Fälle von Leistungsverweigerungen durch private Krankenversicherungen dargestellt, die böswillig gewesen seien und nur der Profitmaximierung gedient hätten. So erzählt zum Beispiel eine Frau, dass sie mit ihrem fiebrigen Baby zum nächsten Krankenhaus gelaufen sei. Dort wurde sie aber abgewiesen, weil ihre Krankenversicherung (eine Health Maintenance Organization) nur die Behandlung in Vertragskrankenhäusern zahlt. Das Baby erlitt auf dem Weg zum nächsten Vertragskrankenhaus einen Herzstillstand und konnte nicht mehr gerettet werden. In einer weiteren Szene wird gezeigt, wie eine zahlungsunfähige Patientin nach einer Notoperation vor dem nächst besten Obdachlosenheim auf der Straße abgesetzt wird, wo sie stundenlang verwirrt und desorientiert auf und ab läuft. Kritiker, die den Republikanern nahestehen, halten der Idee einer allgemeinen staatlichen Krankenversicherung entgegen, dass dies eine kommunistische Idee sei, nämlich socialized medicine und deshalb nicht funktionieren würde.“
Gesundheitssystem in den USA (auch zu „Obamacare“):
„Die einschlägigen Regelungen behandelten den Krankenversicherungsschutz der Einwohner bis zum Jahr 2014 grundsätzlich als private Angelegenheit, eine allgemeine Krankenversicherungspflicht war nicht vorgesehen. Eine staatliche Gesundheitsfürsorge gibt es für Einwohner, die jünger als 65 Jahre sind, nur in Ausnahmefällen. 2008 waren 45,7 Millionen oder 15,3 % der rund 300 Millionen Einwohner weder privat krankenversichert, noch konnten sie staatliche Hilfe beanspruchen. In medizinischen Notfällen sind Krankenhäuser unter dem Emergency Medical Treatment and Labor Act (EMTALA) gesetzlich verpflichtet, unversicherte oder nicht ausreichend versicherte Patienten auch dann in der Notaufnahme zu behandeln, wenn absehbar ist, dass diese die Rechnung nicht bezahlen können. Bei Gesundheitsproblemen, die (noch) nicht die Stufe eines medizinischen Notfalls erreichen, dürfen solche Patienten aber abgewiesen werden.“Siehe auch die Passage „Allgemeine staatliche Krankenversicherung“
 (https://de.wikipedia.org/wiki/Gesundheitssystem_der_Vereinigten_Staaten)
Dann versteht man den Hintergrund etwas besser.
http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/alzheimer-demenz-verdreifacht-sich-bis-2050-in-den-usa-a-881888.html
Und „Geheimakte TTIP“ ARD  https://youtu.be/aSnAK4Ez37M zeigt etwa ab Min 20 etwas zum „Angriffsvorhaben“ der US-amerikanischen Klinikkonzerne bei uns. In Deutschland denke man an die Budgetierung von Leistungen ….
Der Film ist keinesfalls mit so hervorragenden Darstellungen wie „Still Alice“ oder „Iris“vergleichbar -  auch hier kommt es auf das soziale Umfeld und die Kostenerstattung an („In der Bundesrepublik braucht ein Demenzkranker nach Angaben der Krankenkasse Barmer GEK pro Monat im Schnitt gut 500 Euro mehr von den Pflege- und 300 Euro mehr von den Krankenkassen als ein durchschnittlicher Versicherter.“)
Zeigt der Film nicht eine neue Form des sog. „demographischen Wandels“ – die Selbstentsorgung? In den USA gibt es rund 50Mill., die auf der Straße o.ä. leben müssen! In Deutschland steigt die Zahl der Armen/Obdachlosen auch laufend. Entlarvend: Tillerson ist geleakt worden: Menschenrechte nur nach Interessen- bzw. Kassenlage? 600 Mrd. US-Dollar allerdings  jährlich für Krieg und Rüstung …

Vgl. “Lieber tot als hilfsbedürftig?” Prof. Giovanni Maio

 

“Entsorgung” des Partners, wenn er im Alter nicht mehr genügend Aufmerksamkeit schenken kann (zB. wegen aufkommender Demenz).

Der Titel ist irreführend:

Poesie der Liebe